Totila Albert, Künstler und Vorkämpfer einer „dreieinigen Gesellschaft“
Totila Albert wurde in Chile geboren und erlangte nach dem ersten Weltkrieg durch seine Skulpturen einige Bekanntheit. Da er deutscher Abstammung war, wurde er damals in Deutschland als der „deutsche Rodin“ bezeichnet und auch unter chilenischen Bildhauern stach er durch die Qualität seiner Arbeiten hervor. Leider verhinderten diverse Umstände den internationalen Erfolg und somit auch die Wertschätzung seiner Werke, die - vielfach aus Gips gefertigt inzwischen vom Zahn der Zeit gezeichnet sind.
Claudio Naranjo war Totila Albert als Teenager bei seinen Arbeiten behilflich und beschreibt ihn als große Inspiration für seine spätere Tätigkeit, vor allem im künstlerischen Bereich. Totila Albert weckte in Claudio Naranjo ein tieferes Verständnis für den Zugang zur Kunst und er wurde auch in spiritueller Hinsicht für ihn zum Vorbild.
Mit 37 Jahren ging Totila Albert nach dem Tod seines Vaters durch eine Art psychischen Sterbeprozess, der ihm zu einer Wiedergeburt, oder wie er sie selber nannte „Selbstgeburt“, verhalf. Er war sich sicher, dass der Tod der leiblichen Eltern zu einer Transformation im Sinne einer Vergeistigung der von ihnen verkörperten Prinzipien verhelfen kann und tatsächlich steht der Tod oftmals am Anfang der Religionen.
In Folge dieser Ereignisse wandte er sich dem Dichten zu und es entstand im Laufe der nächsten Jahre eine umfangreiche Sammlung von Werken in vorwiegend deutscher Sprache, die aber nie große Berühmtheit erlangten. Zur Zeit seiner ersten Gedichte lebte er in Berlin, das er just am Tag vor Erklärung des zweiten Weltkriegs verließ, d. h. einen Tag bevor sich die Grenzen schlossen. Er kehrte zurück nach Chile, wo ihn seine Mäzene aus Berlin nicht mehr finanziell unterstützen konnten und er sich somit genötigt sah, wieder die Bildhauerei aufzunehmen, die er auch an andere weitergab.
Mit 48 heiratete er. Zentraler Mittelpunkt seines Wirkens war für ihn zu dieser Zeit die Verbreitung seiner durch seine psychische Krise erlangten Vision einer neuen Gesellschaftsform, die er die „dreieinige Gesellschaft“ nannte. Er sah die Probleme der Welt in der Vorherrschaft eines patriarchalischen Geistes begründet, der den Aspekt der mütterlichen und kindlichen Liebe wie er es nannte vernachlässigte.
Die für ihn entscheidende Unterteilung der Liebe in einen väterlichen Aspekt, den er mit „Befruchtung“, dem Geist und der Hingabe an Ideale und Ideen verband, eine mütterliche Form der Liebe, die mit zwischenmenschlicher Begegnung, Emotionen und menschlichem Mitgefühl assoziiert ist und der kindlichen Liebe, die mit Eros, dem Erleben von Freude und sinnlicher Liebe gekoppelt ist, stellte er bereits in seinem noch in Berlin verfassten - epischen Gedicht „Die Geburt des Ich“ dar.
Totila war eher Visionär als ein Philosoph herkömmlicher Art. Er kam zu dem Schluss, dass sich die Kernfamilie aus Mutter, Vater und Kind auch auf einer psychischen Ebene wiederfinden lässt und erst ein harmonisches Zusammenspiel aller drei Komponenten Heilung ermöglicht. So kam es, dass er nicht nur in Fragen der Bildhauerei und Kunst Inspiration für viele Menschen wurde, sondern auch wegen seiner heilenden Nähe gesucht wurde.
1943 schrieb Totila „Das Dreimal Unser“, eine Serie von 66 Hymnen, die auf die Gefahren einer rein patriarchalischen Gesellschaftsausrichtung hinwiesen.
Später in seinem Leben verfasste er einen gewaltigen Zyklus von Epen, die durch die Musik Beethovens inspiriert waren. Es handelt sich hierbei um eine Verschriftung Beethovens wichtigster Werke in Form von Gedichten, die sich Totila beim Hören der Musik wie ein Diktat aufdrängten und die er fast automatisch niederschrieb. Auf ähnliche Weise verfasste er später Schriften über die „innere Bedeutung“ von Schuberts Symphonien, zu verschiedenen Werken Schumanns und etlichen von Brahms.
Über Totila Alberts Anklage des Patriarchats und seiner Vision einer „guten Gesellschaft“ schrieb Naranjo in „Das Ende des Patriarchats“ und in seinem neuesten Buch „Healing Civilization“.
Naranjo sagt dazu: „Vor seinem Tod im Jahr 1967 vertraute Totila Albert mir seine Manuskripte an, in der Hoffnung, dass ich seine Botschaft in die Zukunft tragen würde. Seine Gedichte sind bis heute unveröffentlicht.“
Claudio Naranjo wurde offiziell zum Nachlassverwalter von Totila Albert und unternimmt im Augenblick große Anstrengungen, das gewaltige Werk zumindest ausschnittsweise - über den Cyberspace verfügbar zu machen.
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